Neue Abgasnorm ab 2020

©BMW

30.10.2019 – 08:00 Uhr von Thomas Harloff

Besonders der PSA-Konzern – und damit auch Opel – verhält sich vorbildlich und stellt seine Motoren um. Aber auch bei BMW, Mercedes und Jaguar Land Rover tut sich was. Die saubersten Autos auf dem deutschen Markt.

Viele Hersteller haben ihre Modellpaletten inzwischen (fast komplett) auf die Zwischenlösung unter den Abgasnormen – auch bekannt als Euro 6d-TEMP – umgestellt. Doch kaum ist das abgehakt, da blickt schon die verschärfte Variante ums Eck. Es dauert nicht mehr lange, dann gilt die richtige Euro-6d-Norm. Vom 1. Januar 2020 an müssen alle neu eingeführte Autotypen im Genehmigungsverfahren deren Regeln einhalten. Ein Jahr später gelten ihre Grenzwerte für alle neu zugelassenen Autos.

RDE-Umrechnungsfaktor beträgt nur noch 1,5

Die Prüfstandsvorgaben bleiben im Vergleich zu den anderen Euro-6-Eskalationsstufen gleich. Heißt für Dieselautos: Mehr als 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer dürfen sie beim Labortest nicht ausstoßen. Ermittelt wird das jedoch nicht mehr nach dem NEFZ-Zyklus, sondern nach dem WLTP-Testverfahren. Das ist auch schon bei Euro 6d-TEMP der Fall, genau wie die Tatsache, dass Autos ihr Abgasverhalten zusätzlich beim Realitäts-Check auf der Straße nachweisen müssen (Real Driving Emissions RDE). Im Vergleich zu Euro 6d-TEMP ändert sich aber der Umrechnungsfaktor beim Übertrag vom Prüfstands- auf den Straßenwert. Er sinkt von 2,1 auf 1,5. Darf ein nach Euro 6d-TEMP zertifizierter Diesel nach RDE im realen Leben 168 mg/km Stickoxid ausstoßen, sind es nach Euro 6d-Regularien nur noch 120 mg/km.

Der neue Grenzwert scheint für die Autoindustrie noch eine hohe Hürde darzustellen. Bisher haben erst wenige Hersteller Euro-6d-Autos im Angebot: Alpina, BMW samt Mini, Jaguar Land Rover, Mercedes sowie der PSA-Konzern mit seinen Marken Citroën, DS Automobiles, Opel und Peugeot. Der neue Alpina B7 Bi-Turbo fährt nicht nur bis zu 330 km/h schnell, sondern sein 4,4-Liter-V8-Biturbo erfüllt dank Ottopartikelfilter auch Euro 6d. Der D5 S erreicht sowohl als Limousine als auch in seiner Touring-Version die neue Abgasnorm, ebenso das SUV XD3 und das SUV-Coupé XD4. In diesem Trio schlägt jeweils ein drei Liter großes Diesel-Herz, das 285 kW / 388 PS leistet. Der dreifach aufgeladene D5 S-Motor bringt es auf 800 Nm, das XD3- und XD4-Triebwerk mit Vierfach-Turbo kommt auf 770 Nm.

Euro 6d-Diesel bei BMW/Mini und Mercedes

Die BMW Group stellt zuerst einige kleine Diesel auf Euro 6d um. Der 85 kW starke 1,5-Liter-Selbstzünder kommt sowohl im neuen 116d als auch im 216d Active sowie Gran Tourer und im Mini One D Club- und Countryman zum Einsatz. Hinzu kommen die 170 kW starken xDrive25d-Versionen des X1 und X2. Auch bei Mercedes spielt sich alles Euro 6d-mäßige bei den Dieseln ab. Der Zweiliter-Selbstzünder, der in mehreren Leistungsstufen in den A-Klasse-Derivaten ebenso wie im GLC zum Einsatz kommt, erfüllt die Abgasnorm in vielen Fällen ebenso wie der neue Dreiliter-Reihensechser-Turbodiesel im GLE und GLS.

Beeindruckend ist das Tempo, dass der PSA-Konzern bei der Euro-6d-Anpassung anschlägt. In den Motorenpaletten jeder ihrer Marken befinden sich bereits reichlich Euro 6d-Triebwerke. Das Rückgrat bildet dabei der Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,2 Litern Hubraum: Er hat sich schnell in verschiedenen Klein- und Kompaktwagen-Baureihen des Konzerns breitgemacht und sorgt somit für eine erstaunlich schnelle Euro-6d-Durchsetzung. Aber auch seinen 1,5-Liter-Diesel und den aus dem neuen Peugeot 508 bekannten 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner haben die PSA-Motorenentwickler bereits auf die neue Abgasnorm getrimmt.

Von dieser Entwicklung profitiert Opel. Mit Combo Life und Crossland X sind bereits zwei Modellreihen umgestellt. Im Herbst folgt mit dem vollkommen neuen Corsa eine weitere volumenstarke Baureihe mit sauberen PSA-Aggregaten. Der aufgefrischte Astra fährt zwar ebenfalls mit Euro 6d-Motoren vor, die in ihren Leistungssaten jenen der Konzernmutter stark ähneln; er erhält aber von Opel selbst entwickelte Benziner und Diesel. Auch Jaguar Land Rover hat bereits Euro 6d-Autos im Programm: Eine Motorvariante des facegelifteten XE und Discovery Sport sowie zwei Range-Rover-Versionen.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart

Back to top
JETZT
TESTEN