Neue E-Mobility-Studie

©Benjamin Brodbeck

04.12.2019 – 12:53 Uhr von Torsten Seibt

Die Studie „Index Elektromobilität“ kommt zu überraschenden Ergebnissen. Deutschland steht besser da als in der öffentlichen Wahrnehmung. Allerdings gibt es auch noch Defizite.

In einer von den Unternehmensberatungsfirmen Roland Berger und fka durchgeführten Studie wird Deutschland ein in Teilen sehr gutes Zeugnis im internationalen Vergleich ausgestellt. Die Studie untersuchte die drei Bereiche Technologie, Fahrzeug- und Zellproduktion.

In die Bewertung der Technologie fließen Fahrzeugentwicklungen und -produktion mit ein. Hier hat sich Deutschland im Vergleich zum letzten Jahr vom zweiten auf den ersten Platz verbessert. Frankreich, im vergangenen Jahr Spitzenreiter in dieser Wertung, fiel auf Platz vier zurück. Die gute Bewertung der deutschen Autoindustrie in diesem untersuchten Teilaspekt geht laut Studie auf die verstärkte Entwicklung kompakter, günstiger Elektroautos bei gleichzeitigem Ausbau der gehobenen BEV-Segmente zurück.

China steigert Produktion um 50 Prozent

In der Auswertung der Produktionsdaten bis zum Jahr 2022 erreicht Deutschland hingegen lediglich Platz drei der untersuchten Industrienationen, hinter China (Platz 1) und den USA auf Platz 2. Angesichts der erheblich größeren Märkte in China und USA ist dies zwar erwartbar, allerdings nicht die Entwicklung: Im Vergleich zur Vorjahresbewertung ging die BEV-Produktion in den USA deutlich zurück, während sie in Deutschland stark anstieg, die beiden Nationen sind in dieser Kategorie inzwischen fast gleichauf. Gewaltig gewachsen ist hingegen der Vorsprung der Chinesen, hier stieg die Produktion von BEV und PHEV binnen eines Jahres um fast 50 Prozent.

Extremen Nachholbedarf sieht die Studie hingegen in Sachen Zellfertigung und nimmt hier die Europäer insgesamt in die Pflicht. In der lokalen Zellfertigung für die Produktion von Antriebsbatterien ist die Schlüsselindustrie für die Elektromobilität entstanden, China ist in diesem Bereich um Längen enteilt. Während Deutschland auf Weltrang 5 mit einer Zellproduktion von insgesamt 63 GWh im Zeitraum von 2017 bis 2022 beziffert wird, erreicht China im selben Zeitraum eine Produktionskapazität von 2.393 GWh – mithin das 37fache. Selbst die USA mit den vor allem von Tesla forcierten Produktionsstätten landen angesichts dieser Dominanz zwar auf Platz zwei, aber dennoch extrem weit abgeschlagen.

Die Empfehlung der Studie ist daher deutlich: Die Europäer müssen dringend in die Zellfertigung investieren, angesichts der gewaltigen Investitionen seien daher europäische Kooperationen sinnvoll. „Europäische Automobilhersteller und Zulieferer mit chemischem Hintergrund sollten sich als Investitionspartner positionieren“, sagt Alexander Busse, Senior Consultant bei der fka. „Sie müssen bereit sein, Risiken zu teilen und Investitionen in Milliardenhöhe zusammenzuführen.“

Im Video: Zellfertigung bei VW in Salzgitter

Angesichts der merklich geringeren Gewinnmargen bei BEV im Vergleich zu Verbrennerfahrzeugen sieht die Studie einen weiteren Ansatz für die europäischen Hersteller, um das Geschäft künftig profitabler zu gestalten. Die Hersteller könnten mit neuen Service-Angeboten rund um die Antriebsbatterie zusätzliche Gewinne generieren. Dazu gehört die Verwaltung und Überwachung der Akkulaufzeit, um optimiertes Laden oder nötige Wartungsarbeiten zu empfehlen. Auch im Batterie-Leasing sehen die Autoren finanzielles Potential, um den Herstellern eine geschlossene Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Recycling zu ermöglichen.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart

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