Öffentliche Ladepunkte für Elektroautos

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Um den Kunden die Reichweitenangst vor dem Erwerb eines Elektroautos zu nehmen, muss nicht nur die Zahl der Ladepunkte steigen. Für eine problemlose Mobilität kommt es vor allem auf die Ladeleistung der Säulen an.

Fast 47.000 Tankstellen gab es im Jahr 1969 auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, also dem Westen des geteilten Landes. Diese Zahl geht kontinuierlich zurück, aktuell stellen rund 14.500 Stationen Kraftstoffe für Autofahrer zur Verfügung. Eine flächendeckende Versorgung ist auch so noch möglich, obwohl die Zahl 50 Jahre später ein größeres Gebiet im wiedervereinten Deutschland abdeckt.

Wie viele Zapfpunkte pro Tankstelle durchschnittlich zur Verfügung stehen, ist nicht bekannt. Die immer größer werdenden Stationen der Mineralölgesellschaften, die mittlerweile vor allem vom Umsatz der Shops leben, sorgt aber trotz steigendem Pkw- und Lkw-Bestand für ausreichend Tankmöglichkeiten.

Während der flüssige oder gasförmige Kraftstoff in das Auto gepumpt wird, könnte man über die Infrastruktur der Stromversorgung für Elektroautos nachdenken. Dieses Netz ist aktuell noch grobmaschiger als das der Tankstellen, wächst aber rapide.

50 Prozent mehr öffentliche Ladepunkte

Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mitteilte, stieg die Zahl der öffentlichen Ladepunkte für Elektroautos innerhalb eines Jahres um 50 Prozent. Aktuell sollen, den Angaben zufolge, 20.650 Ladepunkte zur Verfügung stehen. Vor Jahresfrist waren es 13.500. An 12 Prozent der Stromquellen stehen Schnelllader bereit, die Elektroautos in möglichst kurzer Zeit wieder aufladen können. Mit über 75 Prozent wird ein Großteil der Ladesäulen von Energieversorgern betrieben. Dazu zählen große Firmen wie RWE oder EnBW, aber auch regionale Versorger und lokale Stadtwerke.

Während die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte dem BDEW zufolge für die aktuelle Zahl von Elektroautos und Plug-in-Hybriden ausreicht, sieht der Verband noch großes Potenzial bei der Errichtung von Lademöglichkeiten in Privathaushalten und bei Firmen. 85 Prozent der Ladevorgänge finden zuhause oder am Arbeitsplatz statt.

Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sagt: „Das Bundesjustizministerium muss endlich Fakten schaffen, damit es jedem Mieter und Wohnungseigentümer möglich ist, Ladeinfrastruktur einzubauen, wenn er die Finanzierung sicherstellt. Eine entsprechende Änderung des Miet- und Wohnungseigentumsrechts kostet keinen Cent, würde die Elektromobilität aber einen großen Schritt nach vorne bringen.“

Herausforderungen in den Städten

Nach einem Bericht des Handelsblatts finden an über 850 öffentlichen Ladestationen in Hamburg 175.000 Ladevorgänge pro Jahr statt. Die Verkehrsbehörde der Hansestadt hat ein 21 Millionen Euro schweres Förderprogramm für bis zu 7.400 weitere Ladepunkte aufgelegt, darunter auch Anschlüsse in Wohn- und Gewerbebauten, auf Betriebsgeländen sowie in Parkhäusern.

Eine Herausforderung beim Ausbau der Infrastruktur in Städten liegt im schon heute begrenzten Parkraum. An Ladesäulen in der Innenstadt wird ein Halteverbot für Autos mit Verbrennungsmotor nötig, auf den jeweiligen Flächen dürfen nur Elektroautos während des Ladevorgangs stehen. Wie die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung aber je nach Modell feststellen wollen, ob noch Strom geladen wird oder einfach nur das Kabel steckt, dürfte Fragen aufwerfen.

Die Stadt Mainz ist, dem Bericht zufolge, skeptisch, öffentlicher Raum ist „sehr begrenzt, es bestehen zahlreiche Nutzungskonflikte.“

Autohersteller mit eigenem Joint-Venture

Die Energiewirtschaft sieht sich mit dem Angebot an Lademöglichkeiten also voll im Plan. Eine andere Position dürften die Autohersteller vertreten. Um für aktuell und geplante neue Modelle eine ausreichende Infrastruktur an Schnellladern zu haben, gründeten BMW, Daimler, Ford und der Volkswagen-Konzern das Joint-Venture Ionity. Bis 2020 soll unter dieser Flagge ein Netz von 400 Schnellladestationen mit bis zu 350 kW Ladeleistung in 18 europäischen Ländern entstehen. Das ist deutlich mehr als die sonst üblichen 50 kW an Schnellladesäulen. Um einen Audi e-tron mit der bei diesem Fahrzeug maximal möglichen Ladeleistung von 150 kW mit Strom zu versorgen, muss also eine Ionity-Station angefahren werden.

95 Ionity-Stationen sollen bis Ende nächsten Jahres in Deutschland den schnellen Stromdurst stillen. An deren Standorten dürften Langstreckenfahrer von Elektroautos in Zukunft ihre Routen planen, zusätzlich aber auch Strom bei Parkgelegenheiten – zum Beispiel vor dem Supermarkt – und an der heimischen Wallbox bunkern.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart

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